Eberhardskirche Tübingen
Bilder und Berichte

Eine Reise auf Luthers Spuren

Kirchengemeinderat 500 Bäume sollen zum 500jährigen Reformationsjubiläum im neu angelegten Luthergarten in Wittenberg gepflanzt werden. Auf Initiative unseres ehemaligen Vorsitzen und noch tätigen Landessynodalen, Herrn Dr. Kretschmer, wollte auch die Eberhardsgemeinde ein Zeichen setzen und Teil dieses im wahrsten Sinne des Wortes wachsenden Projektes werden. Die Baumpflanzung war für den 31. März 2016 vorgesehen. Schon im vergangenen Jahr hatten wir selbst zwischen Eberhardskirche und Ugge-Bärtle-Brunnen ganz im Sinne Luthers einen Apfelbaum gepflanzt – auch das Teil des Projektes „Luthergarten“.

Der Kirchengemeinderat nutzte den Termin in Wittenberg um sich vom 29. 3. bis 1.4. auf Luthers Spuren zu begegnen. Auf einer eindrucksvollen Reise wurde Eisenach und die Wartburg, Erfurt, Wittenberg, Eisleben und Bad Frankenhausen angefahren.

Tafel

Unser Baum in Wittenberg, für den wir die Patenschaft übernommen haben ist eine Tilia tomentosa ‚Brabant‘ (Silberlinde) und trägt die Nummer 339. Verbunden mit der Pflanzung war das gemeinsame Nachdenken über das Bibelwort aus Römer 11,18: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“
Tafel
linde2016_06_30 Hier ein kurzer Auszug aus der Andacht von Pfarrer Wiborg:
Mit einem gewissen Stolz sind wir ja schon hierher gefahren: Wir dürfen teilnehmen an einem Projekt, dass weltweit die Kirchen miteinander verbinden soll.
Und so steht jetzt unser Eberhardskirchenbaum gleichberechtigt zwischen dem Baum des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, dem Baum des Ökumenischen Patriarchats der orthodoxen Kirche von Konstantinopel und den Bäumen des reformierten und lutherischen Weltbunds.
Die große Kirche!
Und wir, die kleine Eberhardskirche sind Teil dieser großen, universalen Kirche!
Aber schon, dass wir unseren Baum in einem Garten pflanzen, sollte uns zu denken geben. Im Garten ist der Mensch ja schon von altersher zur Sünde aufgelegt! Zur Überheblichkeit!
Nicht verwunderlich also, dass Gott dem Menschen, bevor er dann sein täglich Werk verrichten ging, als letztes mit auf den Weg gab: „Du, Mensch, bist Erde und sollst zu Erde werden.“ Martin Luther wiederum hat ja durchaus auch zumindest am Ende seines Lebens zur schöpferischen Bescheidenheit zurückgefunden: „Wir sind Bettler. Das ist wahr!“ soll er kurz vor seinem Tod gesagt haben.
In diese Tradition der Bescheidenheit hinein wollen wir unseren Bibelvers gestellt wissen, den wir unserem Lutherbaum zugesellt haben.
„Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich!“
Und vielleicht damit mit dazu beitragen, dass wir im kommenden Jahr, wenn sich die Reformation zum 500. mal jährt, uns zurück erinnern, wem wir unser Kirchesein eigentlich verdanken.
Unsere „Erwählung“, von der wir gerne reden. Und uns damit so wichtig nehmen.
Paulus erinnert uns: Ihr seid nur Hinzugenommene. Die Wurzel und der Stamm, das sind Abraham und Isaak und Jakob und alle Kinder bis jetzt. Und ihr Heidenchristen dürft nur freundlicherweise mit dazu gehören. Eigentlich wart ihr gar nicht vorgesehen, ihr seid nur Nutznießer, fast so etwas wie Kuckuckseier auf einem Boden, der euch nicht gehört.
„Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich!“
Wir verdanken alles dem jüdischen Volk, selbst unseren Messias.
Wir existieren vor Gott nur unter einer einzig gültigen Perspektive, dass wir hinzugenommene Kinder Abrahams sind.
Jeder Baum, der gepflanzt wird, ist ein Symbol der Hoffnung. Das wird an diesem Ort vermutlich in jeder Andacht gesagt. Und wir haben das auch gesagt, als wir in Tübingen unser Apfelbäumchen vor der Kirche gepflanzt haben.
Ich möchte gerne mit dieser Baumpflanzung die Hoffnung verbinden, dass das Lutherjahr 2017 nicht nur zur Selbstvergewisserung beiträgt, sondern dass darin auch unser Verhältnis zu unseren jüdischen Glaubensgeschwistern, das vor 500 Jahren ja nicht gerade ungetrübt war, bedacht und gestärkt wird. Dankbar sind wir, dass wir hinzugenommen sind.
Dankbar für Gottes Gnade, die er auch uns als „Nacherwählte“ zukommen lässt.
Dankbar, dass wir seine Kinder sein dürfen. Wir von der Eberhardgemeinde in Tübingen. Amen.