↑ev. Eberhardskirche Tübingen     ↑Bilder aus der Gemeinde

Jetzt ist sie gegossen - die Glocke für die "Kirch am Eck"!
Freitag, 9. Juli 2010
»Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muss die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand. ...«


Manchem kamen diese Worte von Friedrich Schiller in den Sinn, als wir an der Gießgrube der Glockengießerei Bachert standen und zusahen, wie die kleine Glocke für die »Kirch am Eck« gegossen wurde. Die »Gesellen« standen in dicker Schutzkleidung neben einem großen Kippofen, aus dem das auf 1100°C erhitzte Metall rötlich heraus schimmerte. Von der Glockenform »aus Lehm gebrannt«, in die die flüssige Bronze fließen sollte, war nichts zu sehen, denn sie war eingegraben, »fest gemauert in der Erden«.

Am Freitag, den 9. Juli, sind wir, zwölf Gemeindeglieder aus der Eberhardsgemeinde und der Gemeinde St. Michael, nach Karlsruhe gefahren, um den Glockenguss mitzuerleben. Dort trafen wir auf eine Gemeindegruppe aus dem Allgäu, deren Glocke mit unserer zusammen gegossen wurde.

Der Guss ist der Höhepunkt eines langen Prozesses, in dem die Glocke hergestellt wird. Denn in diesen wenigen Minuten entscheidet sich, ob die Form, die in wochenlanger Handarbeit aus Lehm, Kälberhaar, Pferdemist und Stroh erstellt wird, dem enormen Druck und der hohen Temperatur des flüssigen Metalls standhält.

Der Erfolg ist nicht berechenbar. Deswegen legt man bis heute den Guss in Gottes Hände. Das zeigt nicht zuletzt der Zeitpunkt des Gusses. Es war kein Zufall, dass wir gerade an einem Freitag zum Glockenguss eingeladen wurden.

Grundsätzlich werden Glocken nur am Freitagnachmittag zur Todesstunde Jesu gegossen. Und die Zeremonie wird umrahmt von einer kleinen gottesdienstlichen Handlung.

Pfarrer Steiger besprengte die Arbeiter, das Material und die Gießgrube mit Weihwasser und bat in einem kurzen Gebet um ein gutes Gelingen. Dann floss das rot schimmernde Metall aus dem Ofen durch die Gießkanäle in die beiden vergrabenen Glockenformen. Die Verpuffung der Gase in den Glockenformen führte zu hohen Flammen. Außerdem »spuckten« die Glocken, so heißt es im Fachjargon. Das bedeutet, das flüssige Metall spritzt zur Seite. Nach wie vor ist ein Glockenguss keine ungefährliche Sache für die Arbeiter.

Nach dem Glockenguss dachten wir in einem Fürbittgebet an die Menschen, die die Glocken hergestellt und ermöglicht haben, und an alle, die der Ruf dieser Glocken erreichen wird. Wir beendeten den kleinen Gottesdienst mit den Chorälen »Nun danket alle Gott« und »Großer Gott, wir loben dich«.

Nach den Sommerferien wird die Glocke nach Tübingen gebracht. Sie wird uns dann jeden Samstagabend um 18 Uhr herbeirufen zum Wochenschluss-Gottesdienst - und einmal im Monat am Sonntagmorgen zur Eucharistiefeier in spanischer Sprache.

Wer möchte, kann sie am Tag der Einweihung (voraussichtlich im Oktober) noch einmal sehen - und berühren (!). Und dann wird auch die Inschrift aus Psalm 19 zu lesen sein: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ bevor die Glocke im Glockenkasten unseres Türmchens verschwindet....,
Beate Schröder

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